Metabolismus

Was ist Metabolismus?

Metabolismus (griech.: metabolein = verändern) ist ein Synonym für Stoffwechsel und bezeichnet die „Gesamtheit aller physikalischen und chemischen Prozesse, die im lebenden Organismus ablaufen und durch die Energie für diesen bereit gestellt wird“[1] Es wird unterschieden zwischen Auf- und Abbaustoffwechsel. Anabolismus beschreibt die „energieverbrauchende Synthese von komplexen Molekülen aus einfacheren Vorläufern zum Aufbau und Ansetzen von Körpersubstanzen […], speziell körpereinen Eiweiß.“[2] Katabolismus ist das Gegenteil und erfasst den „Abbau der körpereigenen Proteine“.[3] In der Biologie wird der Stoffwechsel also als Lebens-gebendes Moment betrachtet, denn ohne die Verarbeitung der Nährstoffe könnte der Körper nicht überleben.

Mit dem Tod eines lebenden Organismus stellt sich der Stoffwechsel ein und der Prozess der Verwesung beginnt. Dabei zersetzen saprotrophe Organismen, die sich von toter Materie ernähren, wie Bakterien und Pilze, den Körper bis nur noch das Skelett des einstigen Lebewesens übrig bleibt. Bis zur vollständigen Skelettierung kann es einige Tage bis Monate dauern, je nach Größe des Lebewesens. Die Verwesung von Pflanzen wird Verrottung genannt.

 

 

Was unterscheidet einen organischen Körper von einem anorganischen?

Plessner führt hierzu den Begriff der Grenze ein. Der Begriff der Grenze ruft intuitiv ein räumlich gedachtes, trennendes Objekt hervor, was jedoch nach Plessner der falsche Ansatz ist, um darüber  nachzudenken.

Zur Theorie: Ausgehend von der Betrachtung des Menschen, der neben seiner wahrnehmbaren Äußerlichkeit (seinem Körper) auch ein Inneres (seine Seele) hat, versucht Plessner die kleinst-möglichen Bestandteile eines Körpers zu extrahieren, um anschließend darauf aufbauend den charakteristischen Wesensunterschied zwischen belebten und unbelebten Körpern fundiert darzustellen. Es ist wichtig, den Blickpunkt Plessners zu verstehen, um das Theoriengebilde nachvollziehen zu können. Die Biologie erklärt Organismus anhand der erforschten Phänomene, wie beispielsweise Stoffwechsel bei Mensch und Tier oder Photosynthese bei Pflanzen. Die empirische Biologie setzt ihrer Forschung ein Wissen voraus, das den „Charakter des Lebendigen“ darlegt, aber nicht von der Biologie bestimmt werden kann.[4] Plessner hingegen sucht nach einer tieferen Ebene. Die Ebene, die beschreibt, was das Leben ausmacht, also die Basis, zu der die Biologie nicht vordringt.

Ein Gegenstand, der in einem Raum steht, wird von seinem Beobachter sinnlich wahrgenommen. Er hat eine Form und besteht aus einer spezifischen Materie, er hat konkrete Abmessungen im Raum; er ist räumlich. Doch auf rein analytischer Ebene ist der Unterschied von organischem zu anorganischem Körper nicht lösbar, denn auch ein belebter Körper hat Konturen und ist räumlich. Der Unterschied besteht also im Wesen und um dieses herausfiltern zu können, muss die Eigentümlichkeit eines belebten Körpers zu sich selbst betrachtet werden.

Doch von vorne: Für Plessner ist entscheidend, dass der Gegenstand differenziert gedacht wird, denn die Räumlichkeit ist nicht das „dingkonstituierende Moment“ eines Gegenstandes, auch wenn diese beiden Momente „in der Anschauung voneinander untrennbar [sind, sind sie] nicht identisch“.[5] Hier wird bereits das Entscheidende dargelegt: Ein Gegenstand hat „zwei prinzipiell divergente Sphären, auf deren Zueinander gleichwohl die Einheit des Gegenstandes beruht.“[6] Dieses theoretische Konstrukt betitelt Plessner als „Doppelaspektivität“. Körperliche Dinge haben also einen Wesenskern, der nicht räumlich gedacht werden kann und eine räumliche Äußerlichkeit, die die Eigenschaften des Körpers trägt. Diese beiden Aspekte sind weder ineinander verwoben oder miteinander vereinbar, noch empirisch belegbar und doch ergeben sie erst zusammen die Einheit, die einen Körper auszeichnet. Anorganische Körper erscheinen also durch ihr Doppelaspektivität. Bei organischen Körpern verhält es sich hingegen so, dass der Doppelaspekt eine Eigenschaft des Lebendigen ist.

Zur Erklärung führt Plessner den Begriff der Grenze ein – ein Bereich, der „gegen diesen Richtungsunterschied [der Innen-Außen-Doppelaspektivität] selbst neutral ist“.[7] Auf empirischer Ebene ist die Grenze das, wodurch der Körper in seiner Form begrenzt ist, seine Abmessungen im Raum, seine Konturen. Doch Grenze ist weiter zu denken. Die Grenze eines Gegenstandes ist nicht am Gegenstand selbst; sie ist da wo der Körper aufhört und das angrenzende „Medium“ anfängt, sie ist das leere Zwischen.  [8] Bei unbelebten Körpern bedeutet die Grenze die „bloße Möglichkeit des Übergehens vom Einen zum Andern“[9], denn die Grenze gehört hier dem Körper und dem Medium im gleichen Maße an. Einem lebendigen Körper hingegen muss die Grenze ontisch angehören und er muss sich zu dieser verhalten. Das bedeutet also, dass dem lebendigen Körper die Grenze reell angehören muss, der Körper selbst aber seine Grenze und die Grenze des Mediums ist – er verhält sich „ihm entgegen“. Dadurch aber zeigt sich auch, dass der Körper sowohl sein Inneres bewahrt, gleichzeitig dem Medium aufgeschlossen ist und mit diesem in Verbindung tritt – er verhält sich somit „über sich hinaus“. „So begreift man den anschaulichen Antagonismus der ineinander nicht überführbaren Richtungen nach Außen und nach Innen als eine notwendig eigenschaftlich an dem Körper auftretende Bestimmtheit seiner Erscheinung.“[11] Die Raumgrenze eines lebendigen Körpers ist zudem auch die Aspektgrenze.[12]

Um den Wesensunterschied zwischen organischem und anorganischem Körper noch klarer darzustellen, führt Plessner den Begriff der Positionalität ein. „In seiner Lebendigkeit unterscheidet sich also der organische Körper vom anorganischen durch seinen positionalen Charakter oder seine Positionalität. Hierunter sei derjenige Grundzug seines Wesens verstanden, welcher einen Körper in seinem Sein zu einem gesetzten macht.“[13] Positionalität fasst also das sich entgegen sein und das über sich hinaus sein, die doppelsinnige Funktion der Grenze, in einem Begriff zusammen. Der unbelebte Gegenstand hingegen „ist, soweit er reicht.“[14]

Ein weiterer, auf der Grenztheorie basierender Unterschied ist die Raumhaftigkeit eines Körpers. Durch die Grenzrealisierung steht der lebendige Körper in Beziehung zu seinem Sein und ist somit in einem Raum raumbehauptend; behauptet seinen „natürlichen Ort“. Ein lebloser Gegenstand verhält sich zu seiner Grenze nicht, da sie ihm nicht eigen ist, woraus resultiert, dass der Gegenstand nur raumerfüllend ist und an einer Stelle bleibt.[15]

 

Die Biologie setzt bei der Definition des Stoffwechsels, der für lebensgebend erachtet wird, den Organismus als Forschungsgrundlage voraus, doch wie kann der Organismus aus philosophischer Sicht definiert werden? Diese Frage soll im Folgenden geklärt werden.

 

Was ist ein Organismus?

Kant: Def. Organismus

Aristoteles: Nähr-Seele

?? Jonas:

 

Das Verhältnis von Leben und Tod

Wie bereits festgehalten, beschreibt Plessner den wesentlichen Unterschied von organischen und anorganischen Körpern als die Positionalität, die nur dem Lebendigen angehört. Aus der Grenzrealisierung und der Positionalität ergibt sich jedoch auch ein Verhältnis zu der Zeit. Ein empirisches Merkmal des Lebens sind die Entwicklung und der Prozess, den ein jedes Lebewesen durchläuft, beispielsweise im Wachstum. „Ein Ding positionalen Charakters kann nur sein, indem es wird; der Prozeß ist die Weise seines Seins.“[16] Das bedeutet, dass ein lebender Körper nicht in seiner Begrenzung bleiben kann, weil sein Wesen darin fußt, dass er sich von sich selbst abhebt und dennoch darin gesetzt ist. „Grenze ist stehendes Übergehen“[17], was bedeutet, dass die Entwicklung des Körpers im Laufe der Zeit geschieht, das Lebewesen aber dennoch es selbst bleibt. Die Entwicklung und das darin begründete Altern ist für Plessner das Moment, in dem das Leben dem Tod entgegen geht. „Leben ist nicht Sterben, sein eigener Abbau, seine Selbstnegation, sondern es geht in der Entwicklung on Altersstufe zu Altersstufe dem Sterben, dem Tod entgegen.“[18] Der Tod ist nicht Teil des Lebens, aber er haftet dem Leben als „hiatus“ an. Durch die Entwicklung macht das Leben den Tod, sein eigenes Ende möglich; der Tod ist jedoch dem Leben wesensfremd. Es ist eine von außen auf den Körper wirkende Kraft ohne selbst zu sein. Das Leben neigt sich dem Tod durch das Altern entgegen, das Sterben bietet die „Eintrittsbedingungen des Todes“[19], doch Leben und Tod sind immer voneinander getrennt.[20] Das Verhältnis von lebendigem Körper zu seinem Tod besteht nach Plessner also in dem aneinander Haften zweier Größen, die, getrennt per hiatum, sich nicht berühren, sondern voneinander abheben. Der Tod wird vom eigentümlichen Verhältnis des Lebens zu seiner Grenze, durch das „ihm entgegen sein“, im Entwicklungsprozess möglich. Das Leben an sich bedingt den Tod als nicht, sondern sein positionaler Charakter.

?? Heidegger: Vorlaufen

[1] Rottmann/Höfer, 159

[2] Rottmann/ Höfer, 12

[3] Rottmann/ Höfer, 130

[4] Vgl. Pietrowicz, 356

[5] Pietrowicz, 336

[6] Ebd.

[7] Pietrowicz, 344

[8] Plessner, 181

[9] Plessner, 182

[11] Plessner, 183

[12] Vgl. Pietrowicz, 351

[13] Plessner, 184

[14] Pietrowicz, 369

[15] Vgl. Plessner, 186f.

[16] Plessner, 187

[17] Plessner, 189

[18] Plessner, 205

[19] Plessner, 207

[20] Vgl. Plesser, 206

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1 Antwort zu Metabolismus

  1. Jörg Noller sagt:

    Besonders interessant ist der Versuch, den Metabolismus des Organismus freiheitstheoretisch zu lesen, wie dies Hans Jonas unternommen hat. Eine solche Lesart wendet sich gegen substantialistische Verdinglichungen und schafft eine Verbindung zu höheren Freiheitsgraden, wie sie bei (selbst-)bewusstsein Tieren und Personen vorliegen.

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