Emergenz

Das Wort “Emergenz” leitet sich vom Lateinischen “emergere” (auftauchen) ab. Es wird, nicht immer ganz eindeutig, für Phänomene verwendet, die auf der Basis komplexer Systeme entstehen, jedoch nicht vollständig durch deren Eigenschaften erklärt werden können. Intuitiv lässt sich Emergenz durch den Satz “Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile”, d.h. durch Holismus verdeutlichen.[1] Beispiele für Emergenz sind die Entwicklung von Selbstbewusstsein bei besonders komplexen Gehirnen, die Entwicklung von Leben bei besonders komplexer Materie, aber auch soziale Phänomene wie Recht und Moral bei besonders komplexen Gesellschaften. Der systemtheoretische Begriff der Emergenz bezeichnet damit Phänomene, die sich im Rahmen eines Reduktionismus nicht vollständig erklären lassen. Das Problem des Begriffs liegt allerdings darin, dass er zwar das “Dass”, nicht aber das “Wie” von neu “auftauchenden” Eigenschaften oder Phänomenen betrifft. Somit dient Emergenz häufig als Platzhalter für Phänomene, für die noch keine Erklärung existiert. Er ist deswegen mit Vorsicht zu genießen.

[1] Vgl. dazu auch Aristoteles, Metaphysik, 1041b: „Dasjenige, was so zusammengesetzt ist, daß das Ganze eins ist, nicht wie ein Haufen, sondern wie die Silbe, ist noch etwas anderes außer den Elementen“.

 

Literatur:

http://plato.stanford.edu/entries/properties-emergent/

Über Jörg Noller

Leiter des Blogseminars
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